2025

Space Weather Jahreszusammenfassung

 
Flares / Sonneneruptionen:

Flares (Sonneneruptionen) sind extreme Strahlungsausbrüche auf der Sonnenoberfläche, die meist als Folge magnetischer Kurzschlüsse im Bereich größerer magnetisch komplexer Sonnenfleckengruppen auftreten. Flares strahlen im gesamten elektromagnetischen Spektrum. Häufig werden sie nach zwei Kriterien klassifiziert, zum einen nach der Flächenausdehnung während ihrer maximalen Intensität in der Emissionslinie des neutralen atomaren Wasserstoffs (Klassen 1, 2, 3, 4 mit Helligkeitsunterklassen F, N, B), zum anderen nach der maximalen Strahlungsleistung der Röntgenstrahlung im Wellenlängenbereich 0,1-0,8nm, gemessen am Oberrand der Erdatmosphäre (Klassen B, C, M, X).

Das Maximum des aktuellen Sonnenfleckenzyklus SSC 25 liegt nun seit Oktober 2024 hinter uns und die Zahl an Sonneneruptionen ist rückläufig. Allerdings konnten auch im ersten Jahr nach dem Höhepunkt mit insgesamt 3137 Flares ab der Klasse C (Strahlungsleistung > 0,001mW/m²) immer noch eine sehr beträchtliche Gesamtzahl an Eruptionen registriert werden (z.Vgl. 2024: 3731). Betrachtet man aber im Gegensatz dazu nur höherklassige Ereignisse, so zeichnet sich der Rückgang schon wesentlich deutlicher ab. So erreichte die Zahl an Klasse M Flares (Strahlungsleistung > 0,01mW/m²) im Jahr 2025 nur noch 358 (z.Vgl. 2024: 937) und Flares der Klasse X (Strahlungsleistung > 0,1mW/m²) traten gar nur noch 18 mal auf (z.Vgl. 2024: 53).

Die stärkste Sonneneruption des Jahres 2025 ereignete sich am 11. November 2025 mit einem Wert von X5.1. Als aktivste Monate des Jahres zeichneten sich der Februar und November aus. Im Februar konnten mit 50 die meisten Eruptionen ab der Klasse M registriert werden. Im November gab es zwar nur 30 dieser Ereignisse, dafür aber mit 348 die höchste Zahl an Sonneneruptionen insgesamt (ab Klasse C) sowie auch mit 6 die Jahreshöchstzahl an Klasse X Flares.

 
Protonen-Events:

Als Protonen-Event bezeichnet man das Eintreffen einer signifikanten Menge hochenergetischer Protonen, die mit großer Geschwindigkeit von der Sonne abgegeben werden und in der Folge das Sonnensystem rasend schnell durchqueren. Als Verursacher für solche Ereignisse kommen zum einen intensive Sonneneruptionen in Frage, eine erhebliche Anzahl starker Protonen-Events dürfte aber vor allem auf die beschleunigende Wirkung von Schockfronten expandierender CMEs (Koronaler Massenauswürfe) mit Schockstruktur zurückzuführen sein. Klassifiziert werden Protonen-Events nach ihrer Raumdurchflussstärke, die am Oberrand der Erdatmosphäre gemessen wird, wobei für die NOAA Sturmkategorien speziell Protonen mit Energiebeträgen über 10MeV in die Bewertung einfließen.

Auch die Zahl an Protonen-Events zeigte im ersten Jahr nach dem Sonnenaktivitätszyklus erstmals seit 2018 wieder eine rückläufige Tendenz. So wurden im Jahr 2025 nach obiger Definition insgesamt nur 7 Protonen-Events der Klasse S1 (Raumdurchflussstärke > 10p/srcm²s) aufgezeichnet (z.Vgl. 2024: 15), davon konnten auch nur noch 3 auch die Schwelle zur Klasse S2 (Raumdurchflussstärke > 100p/srcm²s) überbieten (z.Vgl. 2024: 10) und 1 die Schwelle zur Klasse S3 (Raumdurchflussstärke > 1000p/srcm²s) (z.Vgl. 2024: 2). Der Jahreshöchswert wurde am 12. November 2025 mit 1460p/srcm²s erzielt, und zwar um 02:15 UTC (03:15 MEZ) inmitten eines 3 Tage 10 Stunden 30 Minuten andauernden Protonen-Sturms.

 
Geomagnetische Aktivität:

Die geomagnetische Aktivität wird vom Erdboden aus mittels Magnetometer erhoben und anhand verschiedener Indizes quantifiziert. Besonders gut für statistische Auswertungen eignet sich dabei der sogenannte Ap-Index, ein weltweit erfasster Wert, der den Grad der geomagnetischen Störungen, bereinigt von Standort- und Tagesgangeffekten, recht gut wiedergibt. Im Jahr 2025 blieb der Jahresmittelwert des Ap-Index erstmals seit 22 Jahren, seit dem Jahr 2003, über dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1933-2008 (SSC 17-23) von 14,4 und erreichte einen Wert von 15,5. Damit wurde die bislang längste Phase einer dermaßen reduzierten geomagnetischen Aktivität seit Einführung des Ap-Index im Jahr 1933 endlich beendet. Vergleichsdaten, die vor Einführung des Ap-Index erhoben wurden, lassen eventuell vermuten, dass man bis in die Jahre um 1905-1925 zurückblicken muss, um geomagnetisch ähnlich schwache 20 Jahre vorzufinden wie die jetzt hinter uns liegenden, dies ist aber mit Unsicherheiten behaftet.

Als geomagnetisch aktivste Monate des Jahres 2025 erwiesen sich Juni und November mit Ap-Indizes von 21,4 bzw. 21,0. Vor allem für den im Jahresgang normalerweise geomagnetisch sehr ruhigen Juni ist das ein ungewöhnlich hoher Wert. Neben diesen beiden Monaten performten auch noch Januar, April, Mai und Dezember überdurchschnittlich. Die geringste geomagnetische Aktivität wiesen im Jahr 2025 Juli und August auf mit Ap-Indizes von nur 11,8 bzw. 10,0.

Betrachtet man tägliche Ap-Werte und weist sie entsprechend einer Definition des NOAA SWPC sogenannten „Geomagnetischen Aktivitätslevels“ zu, so ergibt sich folgende Häufigkeitsverteilung für das Jahr 2025 (in den Spalten rechts der Vorjahreswert sowie kursiv der langjährige Durchschnitt 1933-2008):

quiet / ruhig 113 Tage 2024: 201 langjährig 140
unsettled / unbeständig 122 Tage 2024: 115 langjährig 118
active / aktiv 90 Tage 2024: 28 langjährig 70
minor storm / leichter Sturm 30 Tage 2024: 10 langjährig 25
major storm / starker Sturm 9 Tage 2024: 8 langjährig 10
severe storm / schwerer Sturm 1 Tag 2024: 4 langjährig 2

Als die geomagnetisch aktivsten Monate des Jahres 2025 erwiesen sich in dieser Hinsicht Juni und November. Juni zeichnete sich dadurch aus, dass gleich 4 Tage der Kategorie „starker Sturm“ zugeordnet werden konnten, während sich der November mit 1 Tag der sogar höchsten Kategorie „schwerer Sturm“ in Szene setzte. Der März gestaltete sich geomagnetisch ausgeglichener, konnte aber in der Zahl der Tage, die zumindest einer Sturmklasse entsprachen, mit 6 die beiden zuvor genannten Monate noch um je 1 Tag überbieten, wenn auch im März alle diese 6 Tage nur mit „leichter Sturm“ klassifiziert wurden. Als geomagnetisch ruhigste Monate des Jahres erwiesen sich Juli und August. Juli war dabei der einzige Monat, in dem an keinem Tag eine Sturmklasse erreicht wurde. Im August wiederum mussten mit 18 so viele Tage „ruhig“ eingestuft werden, wie in keinem anderen Monat in diesem Jahr. Der geomagnetisch aktivste Tag des Jahres entfiel übrigens auf den 12. November 2025 mit einem Ap-Index von 137.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt man auch, wenn man geomagnetische Stürme entsprechend den NOAA Space Weather Scales auswertet. Angelegt an die Saffir-Simpson-Skala für Hurrikanes sind auch die NOAA Space Weather Scales (Strahlungs-, Protonen-, Geomagnetische Stürme) in jeweils 5 ansteigende Stufen mit zunehmender Gefährlichkeit unterteilt. Während im Normalfall G1-Stürme, die durchschnittlich an etwa 88 Tagen pro Jahr auftreten, und G2-Stürme mit immerhin 36 Tagen nicht gerade seltene Ereignisse darstellen, kann mit G3-Stürmen noch an gut 13 Tagen pro Jahr gerechnet werden, während hingegen Stürme der Kategorie G4 mit durchschnittlich 4,5 Fällen und G5-Stürme mit gerade mal 0,3 Fällen pro Jahr nur noch sporadisch in Erscheinung treten. Im Jahr 2025 gab es an 97 Tagen einen G1-Sturm (z.Vgl. 2024: 46) und an 29 Tagen einen G2-Sturm (2024: 25). An 13 Tagen wurde ein G3-Sturm (z.Vgl. 2024: 14) und an 4 Tagen ein G4-Sturm registriert (z.Vgl. 2024: 7). G5-Stürme wurden dieses Jahr keine verzeichnet (z.Vgl. 2024: 1).

 
Polarlichter:

Ein stark wachsendes mediales Interesse, die zunehmende Anzahl an Beobachtern, der rege Austausch über Internetforen und nicht zuletzt die Anwendung von lichtstarken, häufig auch automatischen Kameras und vor allem auch Webcams führte in den letzten Jahren zu einer übermäßig rasch ansteigenden Zahl an Polarlichtbeobachtungen, die einen Vergleich mit früheren Jahren unmöglich macht. So konnten im deutschsprachigen Raum entsprechend dem umfangreichen und schön gestalteten Polarlichtarchiv von Andreas Möller im Jahr 2025 die ungewöhnlich hohe Zahl von 94 Nächten (2024: 62) mit Polarlicht notiert werden. Die meisten dieser Ereignisse waren aber naturgemäß auf den Norden oder bestenfalls die Mitte Deutschlands begrenzt, oft nur schwach ausgeprägt oder überhaupt nur fotografisch nachweisbar. Zumindest zwei Ereignisse verdienen aber mehr Beachtung, denn diese erregten nennenswerte Aufmerksamkeit auch im Alpenraum.

So zeigte sich bereits am Neujahrstag in der Nacht vom 1./2. Januar (Fotos siehe Polarlichtarchiv von Andreas Möller) rotes und violettes Nordlicht sowie ein SAR-Bogen („Stable Auroral Red Arcs“) kurz am Abendhimmel. Das andere Ereignis bezieht sich auf die Nacht vom 11./12. November (Fotos siehe Polarlichtarchiv von Andreas Möller). Damit kann sich das Polarlichtjahr 2025 durchaus sehen lassen.

Andreas Pfoser, 16. Juni 2026

Quellen der Rohdaten:
NOAA, Space Weather Prediction Center
Deutsches GeoForschungsZentrum, Helmholtz-Zentrum, Potsdam
WDC SILSO, Royal Observatory of Belgium, Brussels

Die Kommentare sind geschlossen.